Ein weiterer Artikel unserer Plastinatreihe – „Plastinate in der Veterinärmedizin“

Die “Körperwelten” gelten als Synonym für Plastination schlechthin. Dabei wird leicht übersehen, dass die Mehrzahl der Plastinate nicht in den berühmt-berüchtigten Ausstellungen plastinierter menschlicher Körper zu finden sind. Heute sieht man Plastinate in Naturkundemuseen, in Kliniken und Praxen und sogar im privaten Bereich. Die mit Abstand wichtigsten Anwender der Plastination waren und sind die Universitäten.

Gestaltplastinate
Die Anwender der Plastination suchten ursprünglich Ersatz für unpraktische Feuchtpräparate im Anatomieunterricht. Drei-dimensionale Gestaltplastinate ermöglichen nicht nur die dauerhafte, unproblematische Lagerung von aufwändig bearbeiteten Anatomiepräparaten. Durch die einfache Handhabung können den Studenten die Plastinate sogar außerhalb von Kursen und Vorlesungen als “hands-on” – Anschauungsobjekte für die Prüfungsvorbereitung zugänglich gemacht werden. Lerngruppen üben selbständig an echten Herzen, Lungen, Lebern! Man stelle sich das Bild einmal mit formalinfixierten Feuchtpräparaten vor. Vordringliches Ziel des Plastinators war es dabei, dem frischen Präparat optisch möglichst nahe zu kommen. Erst mit der Transparenz der Scheibenplastinate war es darüber hinaus möglich, Einblicke in Feinstrukturen zu gewinnen und die Plastination für Lehre und Forschung gleichermaßen wertvoll zu machen.

Scheibenplastinate
Durchsichtige Körperscheiben eröffnen völlig neue Einblicke in den Aufbau des Körpers. Im Gegensatz zum Gestaltplastinat ist nicht mehr die Geduld und die ruhige Hand des Präparators begrenzend die für die Komplexität des Präparats und die erkennbaren Details. Nerven, feinste Blutgefäße und Strukturen werden unmittelbar sichtbar – nicht isoliert und „freipräpariert“, sondern in ihrer ursprünglichen Situation. Vielfach vernetzt und verwoben im komplexen System Körper, oft eingehüllt und geschützt von Bindegewebe oder knöchernen Strukturen und dabei trotzdem dem Betrachter direkt zugänglich.

Gefäßausgüsse
Mit der Begeisterung für die echte Anatomie erleben auch ältere Präparationstechniken eine Renaissance. Blutgefäße und andere Hohlraumsysteme lassen sich mit Kunststoff ausgießen. Wenn das umliegende Gewebe entfernt wird, bleiben die Blutgefäße, der Bronchialbaum, die Gallengänge oder was immer mit dem ausgehärteten Kunststoff gefüllt ist, übrig. Man sieht alles sofort und auf einen Blick. So lassen sich Aussagen über den Körper anschaulich unterfüttern, die sonst nur mit Vergleichen beschrieben wurden, wie „die Oberfläche der Lunge entspricht der Größe von…“ oder „Die Gesamtlänge der Adern in unserem Körper reicht…“.

Ob Gestaltplastinat, Scheibenplastinat oder Korrosionspräparat – am realen Präparat können wir die Anatomie klar sehen, direkt zeigen, unmittelbar verstehen.
Wir möchten uns für die Bereitstellung dieses Artikels bei Herrn Dr. C. v. Horst recht herzlich bedanken. Weitere Informationen rund um die Plastination in der Veterinärmedizin finden Sie auch auf www.plastinate.com.

Ihr Frederick van Elten