Vetrepreneur Interviewreihe „Der Blick über den Tellerrand – mit Marlen Schiche“

Liebe Leser,

ich möchte Ihnen heute die Gründerin von MyDoggi.de – Marlen Schiche – im Rahmen unserer Vetrepreneur – Interviewreihe näher vorstellen.
Marlen Schiche kommt aus einer Tier-verrückten Familie und ist dort mit Hunden, Katzen und vielen Kleintieren aufgewachsen. Während ihres Studiums zum B.Sc. in General Management – neu-deutsch für BWL/VWL – hatte sie leider keine Zeit für Haustiere und hat stattdessen von Zeit zu Zeit im Wiesbadener Tierheim als Gassi-Geherin ausgeholfen. 2012 hat sie in San Francisco, Dubai und Shanghai ihren Master of International Business gemacht. In San Francisco lernte sie dann ihre heutige Zwergspitz-Hündin Foxy kennen.  Studium, Reisen und Hund unter einen Hut zu bringen war eine große Herausforderung, die sie aber gut meisterte.

Ich wünsche Ihnen nun viel Spass beim Lesen.

Sehr geehrte Frau Schiche, Sie sind Entrepreneurin im Bereich des Tiermarktes. Was genau ist MyDoggi.de?

MyDoggi.de ist ein Marktplatz für Hunde-Dienstleister.  Jeder, der eine Dienstleistung für Hunde und deren Besitzer wie z.B. Hundebetreuung, Gassi-Gehen, aber auch Hunde zum Tierarzt bringen, oder sogar Tier-Fotografie anbieten möchte, kann dies auf www.mydoggi.de tun und so einfach im Internet gefunden und gebucht werden.

Auf der anderen Seite finden Hundebesitzer durch diese tierische Dienstleistungen im Alltag schnelle Hilfe, wenn mal keine Zeit für den Liebling sein sollte. Unser erklärtes Ziel ist es, das Leben von Hunden und Hunde-Besitzern zu verbessern und vereinfachen.

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu Ihren Mitbewerbern, Leinentausch, Schnuff&Co, Betreut.de, etc.?

Ich denke dass wir alle das Wohl unserer Haustiere garantieren wollen – auf unterschiedliche Art. MyDoggi unterscheidet sich, weil wir selbst unsere besten Kunden sind und genau wissen, wie schwierig es ist, eine gute Betreuung für den eigenen Liebling zu finden und auf was dabei zu achten ist. Außerdem sind wir nicht nur fokussiert auf Gassi-Gehen und Hunde-Sitter, sondern bieten auch Hilfe falls der Hund z.B. zum Tierarzt muss. Wir wollen kein unpersönliches Online-Portal sein, sondern sind ganz eng in Kontakt mit unseren Hunde-Sittern und Besitzern, telefonieren regelmäßig mit ihnen, beantworten Facebook-Nachrichten und beraten sie auch gerne, wenn sie Hilfe brauchen.

Der Tiermarkt ist ein wachsender Markt mit viel Innovationspotential. Wo genau in diesem Trend sehen Sie MyDoggi.de?

Der Tiermarkt wird immer größer, undurchsichtiger, und kommerzieller und somit wird es für Hunde-Besitzer auch schwieriger vertrauensvolle Dienstleister von unseriösen zu unterscheiden. Gleichzeitig leben wir immer mobiler und viele Hunde-Besitzer können nicht mehr nur auf Familie und Freunde als Alltags-Hilfe zugreifen. Oft brauchen sie so kurzfristig Hilfe, dass keine Zeit bleibt, selbst alle Optionen aufzuspüren und zu bewerten. Wir wollen die Probleme dieser Hunde und Besitzer lösen, indem wir den Markt für sie transparenter gestalten und schnell und unkompliziert seriöse Helfer verfügbar machen.

Es ist sicherlich eine große Herausforderung Fremdbetreuungen für Hunde zu organisieren. Einige Anbieter versuchen derzeit ihr Glück in Deutschland. Was für einen Einfluss hat diese Entwicklung auf das Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter gegenüber ihrem Tier?

Das ist im Moment noch schwer zu sagen. Der Trend geht zum verantwortungsvolleren Umgang mit Tieren. Es wird besseres Futter gekauft und mehr Geld für Hunde-Training und gesunde Spielzeuge aufgewendet. Dieser Trend kommt erst langsam bei der Hunde-Betreuung an. Rund 70.000 Tiere wurden in Deutschland in den vergangenen Jahren auf der Autobahn ausgesetzt[1], weil die Familie in Urlaub fahren wollte und gute Betreuung fehlte oder zu teuer war. Wir hoffen, dass Tierbetreuungs-Portale wie MyDoggi, Leinentausch, oder Schnuff & Co vermitteln können, dass es Alternativen gibt, die es einfach machen, langfristig gut für sein Tier zu sorgen – auch in schwierigen Zeiten.

Wie wird für die Sicherheit der Hunde gesorgt?

Wir überprüfen persönlich die Kontaktdaten und Motivation, sowie die Geschichte von allen bei uns angemeldeten Dienstleistern. Hinzu kommt, dass wir diese von Kunden und Freunden empfehlen lassen. So weiß man, wer wen kennt und wie genau z. B. ein Hunde-Sitter arbeitet. Außerdem bitten wir unsere Dienstleister sich mit ihrem Personalausweis auszuweisen.

Wann genau ist Ihr Service gestartet? Wie sieht bei Ihnen aktuell ein normaler Tagesablauf aus?

Wir sind erst seit 1. November online, haben aber hinter den Kulissen unseren Start lange vorbereitet und wachsen auch dadurch sehr schnell. Im Moment startet jeder Tag mit dem Update unserer Webseite, telefonieren mit Hunde-Sittern, Gassi-Gehern und anderen Dienstleistern um diese zu verifizieren und ihre Profile online zu stellen. Zudem verbringen wir auch viel Zeit auf der Suche nach Hunde-verrückten Praktikanten/innen, damit wir bei dieser Arbeit künftig entlastet werden.

Haben Sie Familie? Und wie verträgt sich dies mit Ihrem unternehmerischen Arbeitsalltag?

Jeder in meiner Familie ist Hunde-verrückt und hat vollstes Verständnis für mich und meine Arbeit. Mein Freund kümmert sich im Moment oft um Foxy, wenn ich keine Zeit habe. Er war auch unser erster Webseiten-Tester und Unterstützer bei der Gründung. Meine Mutter und meine Schwester haben sich sofort selbst auf MyDoggi registriert und mein Vater postet regelmäßig auf Facebook über MyDoggi. Foxy hat schon das ein oder andere mal Hunde-Sitting ausprobiert und hält ab und zu als Model für unsere Facebook-Seite her. Seit MyDoggi teile ich auf jeden Fall meinen Alltag häufiger mit meiner Familie und meinen Freunden.

Wie beurteilen Sie Ihre Work-Life Balance? Können Sie nach Feierabend abschalten und zur Ruhe kommen, oder nehmen Sie Ihre Arbeit gedanklich mit in den Feierabend?

Meine Arbeit ist mein Leben – im guten Sinn: Ich liebe was ich tue und stecke viel Herzblut in MyDoggi. Da will man gar nicht mehr abschalten. MyDoggi hat mich definitiv süchtig gemacht.

Was ist Ihre persönliche Motivation?

Meine Motivation besteht darin Menschen und Hunden mit Problemen, wie Foxy und mir zu helfen. Bitte lassen Sie mich das kurz weiter ausführen: Als mein Freund mir Foxy schenkte, erfüllte sich für mich der Traum vom eigenen Hund. Wir lebten und studierten zusammen in San Francisco. Leider änderten sich unsere Vorlesungszeiten und Foxy hätte lange alleine zu Hause bleiben müssen. Alle Hunde-Tagesstätten und Gassi-Geher waren auf Monate ausgebucht und Foxy konnte nicht zusammen mit anderen Hunden betreut werden, weil ihr als junger Hund noch eine wichtige Impfung fehlte.

Wir haben damals eine Lösung für Foxy auf einer ähnlichen Webseite in San Francisco gefunden und ich bin mir sicher, dass Foxy eine tolle Zeit dort hatte. Als ich nach Deutschland zurückkehrte, machte es mich nachdenklich, dass es hier nicht solche Angebote gab. Deshalb gründete ich MyDoggi.

Wie ist MyDoggi.de bisher finanziert? Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Wir sind bisher privat und aus dem Familien- und Freundeskreis finanziert. Hinzu kommt, dass 10% der Buchungs-Preise auf MyDoggi dazu beitragen, Überweisungs-Kosten, die bei der Buchung anfallen, und die Instandhaltung unserer Webseite zu decken.

Wollten Sie schon immer im Bereich des Tiermarktes Ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen?

Jetzt wo Sie es ansprechen, denke ich, dass ein Teil von mir das schon immer wollte, aber ich erst jetzt eine sinnvolle Tätigkeit gefunden habe, in der es mir möglich ist, meine Ideen und mich im Tiermarkt zu verwirklichen.

Würden Sie aus heutiger Sicht diesen Weg genauso noch einmal gehen?

Definitiv: Ja!

Wie definieren Sie den Begriff Vetrepreneur? Was ist in Ihren Augen ein Vetrepreneur?

Ein Tier-Fan, der es zu seinem Beruf gemacht hat, Tieren und Menschen zu helfen. Dazu geht er neue, innovative Wege und erreicht so schneller, mehr: Für sich, aber vor allem für die vielen Tiere, denen er hilft.

 

Frau Schiche, vielen Dank für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und zahlreiche Nutzer Ihres Angebotes

Ihr Daniel Medding                                                    Artikelbild und Grafiken © Vetrepreneur.de – Interview.

 


[1] http://www.focus.de/panorama/welt/ferien-tausende-tiere-ausgesetzt-endstation-autobahnrastaette_aid_799995.html